Wintersporttourismus – eine fraktale Bewertung

Teil 1: Wintersporttourismus in Österreich – eine Ausnahmebranche mit jahrzehntelangem exponentiellen Wachstum

Hemmnisse des Wachstums im Wintersport

Hemmnisse des Wachstums im Wintersport

Experten sind sich weltweit darüber einig, dass alle Ressourcen beschränkt sind – sowohl im terrestrischen Bereich als auch inzwischen nachweisbar im Sonnensystem. Diese Beweisführung besagt auch, dass exponentielles Wachstum, wie es im Wintersporttourismus seit langer Zeit stattfindet, auf Dauer nicht gehalten werden kann.

Zum österreichischen Tourismus kann in zahlreichen wirtschaftlichen Publikationen nachgewiesen werden, dass sein Anteil am BIP bis 2016 permanent angestiegen ist und heute – je nach Lesart – zwischen 5,5 und 7,5 ausmacht.

Wird die Entwicklung der Übernachtungen bezogen auf den Wintersporttourismus untersucht, haben sich diese in den Wintersaisonen 2007/2008 bis 2016/17 von 63,3 Mio. auf 68,6 Mio. erhöht. Die Übernachtungen im gesamten Tourismusbereich sind von insgesamt 124,3 Mio. (2009) auf insgesamt 140,9 Mio. (2016) angestiegen. Damit ist der Tourismus abseits der Wintersaison stärker gewachsen. Diese Entwicklung kann dahingehend kommentiert werden, dass die Sommerurlaube in Griechenland, Türkei, Ägypten und Tunesien aus Sicherheitsgründen rückläufig waren bzw. immer noch sind und dies zu einer verstärkten Nachfrage in Österreich geführt hat.

Wird eine generelle Analyse der Entwicklung des Wintersports in den österreichischen Kernregionen Tirol, Vorarlberg, Salzburg im Vergleich zu Südtirol, Schweiz und Frankreich vorgenommen, so muss die österreichische Entwicklung dieser Branche als beispielslos positiv bezeichnet werden.

Im Laufe der letzten 50 Jahre, wo sich der Wintersport aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung Europas insbesondere in Österreich und Deutschland großer Beliebtheit erfreute, gelang es den Managern des Wintersporttourismus, ein laufend verbessertes Angebot in allen Bereichen und Infrastrukturen aufzubauen.

Treiber und Verursacher dieser Entwicklung war letztlich das Vorliegen eines angestrebten und vollzogenen exponentiellen Wachstums auf Basis eines seinerzeit nicht voll ausgeschöpften grundsätzlichen Potentials für Wintersporttourismusaktivitäten.

Parallel dazu entwickelte sich im gesamten Bedarfsbereich des Wintersports, bei der Bekleidung, der Pistenausstattung, den standortbezogenen Infrastrukturen, den Sportgeräten, der Seilbahntechnologie, der Beschneiungstechnologie usw. eine sehr erfolgreiche Wintersportbranche im Bereich der Industrie, des produzierenden Gewerbes und der Wintersport-spezifischen Dienstleistungen.

Kennzeichen dieser Entwicklung war eine laufende Verbesserung aller Infrastrukturen am jeweiligen Wintersportstandort inklusive einer permanenten Verbesserung aller den Wintersport unterstützenden Produkt- und Dienstleistungsstrukturen. Die Zuerkennung der Wintersport-Olympiade an Innsbruck war letztlich auch die Kenntnisnahme und Anerkennung dieser Branche aus internationaler Sicht.

Die wesentlichen Rahmenbedingungen, die diese jahrzehntelange exponentielle Entwicklung der Wintersportbranche erlaubten, waren

  • eine weiße Landschaft stand zur Verfügung,
  • eine genügende Zahl von Bergen war vorhanden,
  • Pistenstrukturen in hoher Vielfalt und schneesicher wurden geboten,
  • eine standortbezogene Infrastruktur in allen Bereichen, von der Hotellerie bis zum Servicebereich u.v.m., stand den Kunden mit jährlicher dynamischer Weiterentwicklung zur Verfügung

Diese Rahmenbedingungen konnten im Sinne eines exponentiellen Wachstums problemlos in der Vergangenheit aufrechterhalten werden, da sich genügend kaufkräftige Kundenstrukturen im nahen und weiteren Umfeld der Wintersportzentren entwickelten.

Letztlich wurde der Wintersport somit zu einer wichtigen Einnahmequelle ganzer Gebirgstäler, die teilweise zu 70-80% von einem florierenden Wintersporttourismus leben.

Die Stärke und Lebensfähigkeit und somit die Weiterentwicklungsfähigkeit dieser Branche wurde nicht zuletzt dadurch dokumentiert, dass sich trotz kritischen Klimawandels (Unplanbarkeit des Schneefalls, Temperaturerhöhungen etc.), dem Rückgang der Verweildauer von Touristen und zeitweisen Wegfalls bestimmter ausländischer Besuchsgruppen nach wie vor exzellente Gewinne und Ergebnisse in dieser Branche erzielen ließen. Weiteres Indiz ist die durchaus positive Einstellung aller fachlichen und politischen Akteure des Wintersporttourismus, wie beispielsweise die Aussagen des über Jahrzehnte die Szene bestimmenden Gurus Peter Schröcksnadel, dass die Winter kälter werden und die Gletscher nicht so schmelzen (würden), wie einige Experten und „Angstmacher“ dies prophezeiten. Willfährige, auf Aufträge angewiesene sogenannte „Experten“ lieferten auch jederzeit den dafür notwendigen Beweis.

Bedauerlicherweise tauchen jedoch immer wieder Studienergebnisse und Medienberichte in der Öffentlichkeit auf, die im Widerspruch zu den Wachstumskonzepten des Wintersporttourismus stehen. Nachfolgend einige Beispiele:

  • die Technisierung des alpinen Raumes zerstört dessen sensibles ökologisches Gleichgewicht
  • der Energie- und Wasserbedarf der künstlichen Beschneiung sowie die begleitenden notwendigen technischen Infrastrukturen erreichen die Grenzen der Refinanzierbarkeit
  • den Gletschern schmilzt das Eis davon
  • der Rückgang der Permafrostgrenze wird in den Alpen bereits messbar
  • die Naherholungsschigebiete als Nachwuchslieferant für den Winterurlaub schließen zunehmend in Höhenlagen unter 1000 m ihre Pforten
  • v.m.

 

 

Die gesamte Analyse gibt es hier auch als pdf zum Download.

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  1. Michael Rothleitner sagt:

    Gratuliere zur guten Analyse, obwohl bei der exponentiellen Entwicklung ein ganz wesentlicher Faktor fehlt, der auch die Abhängigkeit der Regionen verdeutlicht. Der Fleiß der ländlichen Bevölkerung! Auch wenn wir in Österreich Anstrengungen unternehmen, dass der Zugang zur Bildung für alle gleich sein soll – so bleibt es eben nicht zuletzt auch aus geographischen Gründen beim „soll“. Daraus hat sich eine Wechselwirkung zwischen ländlichem Raum und Beschäftigung im Tourismus mit dem Effekt gebildet. dass auch ohne urbanes Umfeld und dichtes Bildungsangebot sehr erfolgreich gewirtschaftet werden kann. Und manchmal scheint es nicht ganz von der Hand zu weisen zu sein, dass auch der Neid urbaner Gesellschaften zu den im letzten Teil genannten Medienberichten führen.

    Gespannt bin ich nun aber auf die weiteren Bewertungen, nicht zuletzt schon wegen der Einleitung in den letzten Absatz: „Bedauerlicherweise…“

    Mit (winter-) sportlichen Grüßen
    Michael Rothleitner