Fraktal Humankapital – Fazit

Fraktal Humankapital, Auflösung in die dritte Strukturkreisebene, (c) GEFA

Fraktal Humankapital, Auflösung in die dritte Strukturkreisebene, (c) GEFA

Für eine Analyse dieses Fraktals zum Humankapital sind aus Sicht der Schaffung und des Erhalts von Arbeitsplätzen folgende Gesichtspunkte maßgebend:

Gesichtspunkt 1: Arbeitsplatzfelder (Erhalt, Ergänzung, Erneuerung)

In den letzten 10 Jahren stellte sich in den drei Wirtschaftssektoren die BIP-Entwicklung wie folgt dar:

  • primärer Sektor – in etwa € 4,0 Mrd. gleichbleibend
  • sekundärer Sektor – von € 51,0 Mrd. auf € 84,0 Mrd. wachsend
  • tertiärer Sektor – von € 104,0 Mrd. auf € 212,0 Mrd. Verdopplung

Diese Entwicklung bestätigt die dazu begleitende Wanderbewegung der Verlagerung menschlicher Arbeitskraft in den nächsthöheren Sektor (zum Nachlesen die Wanderbewegungen des Arbeitskräftepotenzials Teil 1, Teil 2, Teil 3).

Hier ist zu erwarten, dass sich im industriellen Sektor eine ähnliche Entwicklung vollziehen wird, wie dies im primären Sektor der Fall war, allerdings auf wesentlich höherem Wertschöpfungsniveau. Prinzipielle Wachstumsfelder für die Schaffung neuer Arbeitsplätze wird es im primären und sekundären Bereich, ebenfalls stimuliert durch Nutzung neuer Technologien, nur in Nischenbereichen geben.

Was die Wachstumsbereiche im tertiären Sektor betrifft, sind diese zu gliedern in:

  • produktionsnahe Dienstleistungen
  • generelle Dienstleistungen
  • Dienstleitung im Bereich Soziales

Hier kann ein weiteres Wachstum im letztgenannten Bereich, wie soziale Dienste, Gesundheitswesen, Wellbeing, Sport, Freizeit, erwartet werden.

 

Gesichtspunkt 2: Arbeitsplatzverteilung in Relation zur Unternehmensgröße

Dieses Themenfeld umfasst den sogenannten Mittelstandsbereich, der sich in Österreich im sekundären Sektor wie folgt zusammensetzt:

produzierendes Gewerbe

Hier sind etwa 460.000 Mitarbeiter in Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern beschäftigt, davon – im Sinne einer Gaußverteilung – 109.000 Personen in Betrieben zwischen 20 und 49 Mitarbeitern. In Betrieben mit mehr als 250 Mitarbeitern arbeiten im produzierenden Bereich etwa 146.000 Mitarbeiter. Insgesamt sprechen wir also von ca. 600.000 Beschäftigten.

Der produktive Sektor in Österreich ist gut ausgeprägt und war in Vergangenheit Kernelement der Arbeitsplatzsicherung und Arbeitsplatzbeschaffung. Hier ist allerdings zu beachten, dass es sich mehrheitlich um Kleinbetriebe handelt, die im Rahmen des laufenden Automatisierungsprozesses in allen Unternehmensbereichen zunehmend Probleme mit der Nutzung der dafür erforderlichen Technologien bekommen werden.

Aus den gegenwärtig laufenden Entwicklungen des Verdrängungswettbewerbs auf Ebene multinationaler Konzerne ist zu beachten, dass interessanterweise die beiden größten Volkswirtschaften China und Indien sich intensiv bemühen, eine dort kaum vorhandene industriell-gewerbliche Mittelschicht aufzubauen.

Industriebetriebe

Die Industriebetriebe Österreichs sind als Mittelstandsunternehmen zu verstehen und beschäftigen in kleinbetrieblicher Struktur (weniger als 250 Mitarbeiter) etwa 127.000 Mitarbeiter. In größeren Betrieben sind etwa 286.000 Mitarbeiter beschäftigt. Dies ergibt eine Gesamtbeschäftigtenstruktur im industriellen Bereich von ca. 413.000 Mitarbeitern.

Wie insgesamt mittelständisch und somit kleinbetrieblich strukturiert der industriell-gewerbliche Sektor ist, zeigt der Umstand, dass es

  • 210.000 Unternehmen < 250 Mitarbeiter gibt
  • und nur 626 Unternehmen mit > 250 Mitarbeitern.

Dass im Sektor 2 – Industrie und produzierendes Gewerbe – kaum zusätzliche Arbeitsplätze generierbar sind, zeigt die Entwicklung der Industriebeschäftigten von 1995 bis 2015, wo die Zahl von 464.000 auf 396.000 Mitarbeitern rückläufig war. Dies, obwohl es die Gesamtbranche im gleichen Zeitraum ein BIP-Wachstum von € 51,0 Mrd. auf € 84,0 Mrd. verzeichnete.

Eine Analyse der Beschäftigungsstruktur von Männern und Frauen zeigt eine interessante Verteilung des durchschnittlichen Verdienstes in Relation zur Gesamtbeschäftigtenzahl: Bei Männern liegt der Peak des mittleren Einkommens bei ca. € 35.000 brutto Jahresgehalt (bei ca. 400.000 Beschäftigten);  bei den Frauen hingegen bei einem mittleren Einkommen von ca. € 25.000 brutto Jahresgehalt bei etwa gleicher Zahl der Erwerbstätigen.

 

Fraktal Humankapital – Zusammenfassung

Vorliegende Statistiken zeigen, dass Gehaltsunterschiede zwischen Mann und Frau bei gleicher Tätigkeit bis zu 20% zu Lasten der Frauen gehen. Ein Phänomen, das nicht nur in Österreich gegeben ist und einer dringenden gesetzlichen Regelung bedarf. Teilzeitjobs sind in vielen Fällen zeitbegrenzte Ersatzjobs für in Karenz oder sonstig ausfallenden Mitarbeiter und daher in vielen Fällen zeitlimitiert. Teilzeitbeschäftigte werden auch dort eingesetzt, wo zeitlich limitierte Spitzenbelastung vorliegt.

Insgesamt ist festzustellen, dass im Bereich der klassischen Job Economy drei Faktoren schlagend werden:

Faktor 1: Übergang von Vollzeit – zu Teilzeitjobs

Faktor 2: Zunahme der geringfügig Beschäftigten, zum Teil auch im Vorfeld von klassischen Lohnverhältnissen

Faktor 3: Vermittlung von Spitzenlastabdeckung in unterschiedlichen Bereichen der Qualifikation durch Leihfirmen. Hier wäre es wünschenswert, solche Gesellschaften gemeinnützig zu konzipieren bzw. dies auch als neue Aufgabenstellung für die Gewerkschaften zu definieren.

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